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Herzlich willkommen zum
Gemeinschaftsprojekt "Wassertexte – Wasserfotos" – Seite 1

des Schreibkreises „Schreibschon“, Autorinnen und Autoren aus ganz Deutschland, Österreich, Ungarn und Frankreich sowie des VHS Arbeitskreises Fotografie


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52 Motive auf 7 Seiten online. Vorschau-Ansichten (anklickbar)
161
Textbeiträge
auf 7 Seiten online.

Fotomotive und Texte:
001 – 008


Foto von Dr. Peter Vogg
Mit Text von
• Ulf Großmann
• Anette Egner
• Daniel Kai Grassl
• Claudia Fliege


Foto von Dr. Peter Vogg
Mit Texten von
• Annette Gonserowski
• Torsten Jäger
• Julia Wiedenmayer
• Imke Wendler


Foto von Dr. Peter Vogg
Mit Texten von
• Annette Egner
• Hubertus Wild
• Renate Weidauer
• Hermann Lahm
• Ingeborg M. Machherndl
• Imke Wendler

Foto von Frank Schloffer
Mit Texten von
• Nicoleta Craita Ten´o
• Othmar Mahlmeister
• Tamara Vogel
• Beate Vogel
• Frank Tichy
• Imke Wendler
• Dr. Karsten Beuchert
           

Foto von Frank Schloffer
Mit Texten von
• Othmar Mahlmeister
• Theo Schmich
• Imke Wendler
 
Foto von Frank Schloffer
Mit Texten von
• Christina Stöger
• Irmgard Anderfuhr
• Eva Tanner
• Susanne Albrecht
• Renate Weidauer
• Julia Wiedenmayer
• Ulf Großmann
• Hermann Lahm
• Imke Wendler
• Frank Tichy
• Markus Schoppen
 
Foto von Dieter Bergmann
Mit Texten von
• Imke Wendler
• Hildegard Paulussen
• Christine Dorn
• Hildegard Paulussen
 
Foto von Dieter Bergmann
Mit Texten von
• Kurt Simmeth
• Rosemarie Schuldes
• Frank Tichy
• Ingrid Drewing
• Alma Marie Schneider
• Hermann Lahm
• Imke Wendler
           



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001 • "Wasserfall_1" © Dr. Peter Vogg



Gefallen

das Wasser fällt über die Berge
bis in meine Gedanken hinunter
läuft ein Film in den Augen
glänzen die Tränen über
strömt eine Erinnerung
eine unruhige See

 

© Ulf Großmann
01259 Dresden
goldhase@t-online.de




Im Fluss sein .... das Leben bietet mir Möglichkeiten,
mein Leben zeigt mir den Weg.... des Wassers

Das Wasser zeigt mir im Fluss sein, in der Bewegung bleiben

Der Tropfen ist der Moment, das Jetzt, die Gegenwart

Ein kurzer Stillstand um achtsam weiter im Fluss zu sein.

 

© Annette Egner
81735 München
kuenstlernische@web.de




Ein Wasserfall

der rauschend Wasser freier Fluss-schenkt großen Eindruck für Auge und Ohr.

Erzeugt wird Energie und Sinnesfreude,

und vielleicht Reinigung, für Seele, Herz und Geist.

Ein Stück Freiheit, ein Stück Unberührtheit,

wie ein Schimmer aus einer anderen und heileren Welt-mitten in der Natur.

Aus deinem Bild strahlt große Kraft und Ruhe zugleich, auch Liebe,

und wie ein Hauch von Ewigkeit.

 

© Daniel Kai Grassl
daniel-grassl1975@web.de




Grenzenlos

Strahlende Kraft durchströmt die ungezähmte Wildheit
gespenstisch fließen mutige Energien in die Tiefe.
 
Ein lieblicher Wasserhauch berührt sanft die Seele
tobt als reißender Strom um zu vergessen
 
Einst verliebt in die Faszination der Stille                                 
sprengt die Wasserarmee die Grenzen aller Wünsche!

 

© Claudia Fliege
42329 Wuppertal
claudiafliege@gmx.de





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002 • "Wasserfall_2" © Dr. Peter Vogg



Du schenktest mir einen Wasserfall.

Du schenktest mir einen Wasserfall.

Bei ihm halte ich inne,

lausche den springenden Worten,

sehe in silbernen Kaskaden

Dein Bild,

das zerrinnt mit den Wellen,

das versprüht mit der Gischt,

in glitzernden Farben der Sonne.


© Annette Gonserowski
58566 Kierspe
goki.an@gmx.de



Ode an das Wasser

Komm, lass mich lauschen,
lass mich betören
am lebendigen Rauschen,
ich will gar nicht stören.

Komm, lass mich sehen,
lass mich ergötzen,
lass mich verstehen
den Zauber an magischen Plätzen.

Komm, lass mich riechen,
lass mich einatmen
den Duft, den herrlich süßen,
der einst wohl erfüllt Edens’ Garten.

Oh ja, komm lass mich fühlen,
lass mich erspüren,
lass meinen Geist kühlen
und meine Seele zum Ruhen verführen.

Ja -Du Quell allen Lebens Durchströmst
jedes Wesen,
für Dich ist keine Sekunde vergebens,
könnt ewig verbringen, um Deine Geschichte zu lesen!


© Torsten Jäger
55294 Bodenheim
buckelwal@yahoo.de




Tosende Wasser,
schäumende Gischt,
kantige Felsen
das Wasser durchbricht.

Vergangene Tage
So hart wie Gestein,
Erinnerung an früher
Strömen vorbei.


© Julia Wiedenmayer
jb.wiedenmayer@t-online.de





Felsen unter Nass
glänzen schwarz im Sonnenlicht
Unvergänglichkeit


© Imke Wendler
37199 Wulften
imke_wendler@liverpoolfc.net






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003 • "fließend tropfendes Wasser" © Dr. Peter Vogg



Im Fluss sein ... das Leben bietet mir Möglichkeiten,
mein Leben zeigt mir den Weg ... des Wassers

Das Wasser zeigt mir im Fluss sein, in der Bewegung bleiben

Der Tropfen ist der Moment, das Jetzt, die Gegenwart

Ein kurzer Stillstand um achtsam weiter im Fluss zu sein.


© Annette Egner
Amselweg 5, 81735 München
Mobil 0163 741 51 42
eMail kuenstlernische@web.de


Sehnsucht

Ein Wasserfloh kam auf der Bahn,
in die er war geflossen,
urplötzlich in den Wasserhahn,
der nicht so ganz geschlossen.

Der Hahn, der ließ von Zeit zu Zeit
mit einem lauten Klopfen
aus seinem Mundstück, das recht weit,
glasklare Tropfen tropfen.

Der Wasserfloh ließ sich am Rand
des Messingwerkstücks nieder
und fragte so von leichter Hand:
,,Wem klopfst Du immer wieder?”

,,Ach” sagte drauf der Hahn bewegt,
„frag’ nicht, weil ich sonst flenne!
Ich klopf’ schon lang und unentwegt,
nach einer Wasserhenne!”


© Hubertus Wild
hubertus.wild@t-online.de




Die Freiheit eines Wassertropfens

„Werde durch Freiheit, was
du durch Schicksal bist.“
Hugo v. Hofmannsthal

Wäre ich so frei
wie ein Wassertropfen –
Tau auf der Spitze des Grashalms
wartend bis er
nach freiem Fall
entlang den Wurzeln
eindringt in die Adern der Erde
austritt aus der Quelle
frei sich vereinend mit anderen
zum Bach
die Blätter wiegend
schlafend im See
hingegeben dem Fluss
die Schiffe tragend
umfangen und befreit
im Bett des breiten Stromes
gierig auf die Freiheit des Meeres -
ein Tropfen im Reigen mit Abertrillionen
in Ozeanen
die die Kontinente verbinden
im Zusammenklang mit dem unendlichen Himmel
in dessen Freiheit
der Tropfen aufsteigt
schwebend in Wolken sich bettet.
Wär’ ich so frei
im Kreislauf eines Schöpfers
der Freiheit hingegeben
die Bestimmung meines Lebens
selbst zu wählen:
Ein Wassertropfen möchte ich sein!




© Renate Weidauer
82 178  Puchheim
r-r.weidauer@freenet.de


Kostbar

Was im Überfluss da ist, wird nicht geschätzt,
Wasser, wir haben dich verletzt,
verunreinigt, geschunden, geplagt,
vergeudet, missachtet, nicht gefragt.
Wie kostbar du bist, das wird erst wahr,
wenn keines mehr ist sauber und klar.
Zur Wüste verkäme das Land,
ohne deine benetzende Hand,
ohne dein Tränken, Säugen, Füttern.
Wasser, dein Fehlen
würde uns erschüttern.


© Hermann Lahm




Der Traum vom Wasser

Ich träume davon
In einer Welt zu leben
In der nirgends ein Schluck Wasser
Zur Seltenheit wird

Ich träume davon
Dass überall auf Erden
Klares Wasser
Gefeiert wird

Ich träume davon
Dass niemals wieder
Aus einem dreckigen Loch
getrunken wird


Ich träume davon
Dass es eines Tages
überall auf Erde
tagtäglich fließendes Wasser gibt

Ich träume davon
Dass ein Tropfen Wasser
für Menschen mehr ist
als Geld jemals wert sein kann


© Ingeborg Maria Machherndl
A-8010 Graz
ingeborg.machherndl@edu.uni-graz.at



 

Kleiner Tropfen rinnt
vom Blatt hinab zum Boden
Ende des Regens


© Imke Wendler
37199 Wulften
imke_wendler@liverpoolfc.net





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004 • "On the rocks" © Frank Schloffer


Überfüllt

Selten bestelle ich Regen,
und öfter lehne ich ihn ab, bei der Annahme.
Aber heute, trinke ich ihn
aus einer Flasche,
beweine ihn aus einem Guss,
und werfe mich in einen Fluss,
um nicht zu spüren, dass ich weine.
Ich weine nie alleine. Also,
bade mit mir heute, als wären wir
zwei Engelinnen, die sich gegenseitlich
den Rücken frei halten, wenn ich fliehen will,
sei meine Freundin, und folge mir nicht.
Ich leide alleine. Bei der Annahme,
ich habe den Regen genommen, diesmal,
doch gar nicht bestellt. Wie das Wasser
füllt über,
eine leere Flasche füllt sich mit Wasser
über den Rand. Gott sei Dank,
ich bin nicht ertrunken!


© Nicoleta Craita Ten´o
27356 Rotenburg (Wümme)
harukageheorend3sein@yahoo.de




Jakob, der Fischer

Herr Jakob fährt zum Saalestrand.
Er zählt die Finger an der Hand
und spricht:
“So viele will ich angeln heut:
Brathering einen, Hechte zwei
und Welse - davon Stücker drei.“
Hei - wie der Fische Freund sich freut!

Herr Jakob steht am Saalestrand,
versenkt - gebückt am Uferrand -
fünf Biere.
Ohne zu denken weiß der Mann,
sobald ein Durst die Gurgel quält
und ihr etwas von Bier erzählt,
dass er ein Kühles süffeln kann.

Herr Jakob sitzt am Saalestrand,
die Frühstücksdose in der Hand
und beißt
im Morgenrot ins erste Brot.
“Hmm Leberwurst.“ Er kalkuliert
auf Abend hin. Und rationiert,
dass ihm solang’ nicht Hunger droht.

Herr Jakob hält am Saalestrand
die Wünschelrute in der Hand
und hofft,
dass ihm der erste Hecht anbeiße
und an dem Haken heftig reiße,
und dass ihm rinne schwerer Schweiß
bis endlich stemme er den Preis.
Herr Jakob hält am Saalestrand
die Wünschelrute in der Hand
und hofft.

Herr Jakob ruht am Saalestrand,
den Brathering auf einem Teller,
und isst.
Vergisst das Warten auf den Wels.
Vergeblich ist’s wie eh’ und je’,
wie winters Warten auf den Schnee.
Doch komm, ihm zu gefallen, Wels!

 

Herr Jakob sucht am Saalestrand
im Abseits einen stillen Ort.
Kaum weg
verpasst er unterm Wasser dort
hinter dem Fels den einz'gen Wels.
(Den sieht allein der Dichter.)
Herr Jakob da, Wels wieder fort.

Es wünscht am schönen Saalestrand
ein Fischer sich als lebend Köder
ein Insekt.
Was der sich wünscht, hört Jo, die Mücke.
“Dir geb' ich’s, fieser Angler du!“,
sucht eins der Ohren und sticht zu.
Da klatscht’s! Jetzt fliegt der Jo mit Krücke.

Ein Jakob dampft am Saalestrand,
vom Glückslos bleibt er unerkannt
und brummt.
In der Sonne fern von Schatten
gleicht er ’nem Reifen, einem platten.
Von Wind gedrehte leere Netze!
Die Wahrheit ist die schlimmste Petze.

Und Jakob fällt am Saalestrand,
wo er die große Liebe fand,
das Handy ein.
“Na du, wie geht’s daheim bei dir?“
“Wieso? Was ist? Vom Glück verlassen?
Ich schaukle und bin ganz gelassen.
Nein, keine Lust. Ich bleibe hier.“
Da geht hinab am Saalestrand
der Jakob zu des Wassers Rand,
die Hand taucht ein ...

und findet’s Bier im Wasser kalt,
doch Teufel, keinen sicheren Halt.
Er rutscht,
und springt - trotz mag'rem Stand -
naturgewaltig wie ein Hecht.
Da staunt der Dichter. „Echt, nicht schlecht!“
Kein Wasser zeigt, wo er verschwand.

 


© Othmar Mahlmeister
o55.mahlmeister@arcor


Flasche der Sehnsucht (Teil 1)
Von: Tamara Vogel

Der Wind haucht leise und wohltuend durch mein offenes Haar, sodass mir einzelne Strähnen ins Gesicht fallen. Langsam bahnt sich eine Träne den Weg über meine Wange hinab zu meinem Kinn, bis sie schließlich abperlt und zu Boden sinkt. Versunken in meinen Gedanken schließe ich beide Augen und versuche mich an ihn zu erinnern. An seine Fähigkeit mich bei ihm immer sicher und geborgen zu fühlen, an seine stechend blauen Augen und an sein warmes Lächeln, das durch nicht erschüttert werden konnte. Auch nicht durch die Nachricht, dass in Zukunft nichts mehr so sein und sich unsere Wege unweigerlich trennen würden. Oh ja, sein beharrlicher Optimismus hat mir schon durch so manche harte Zeit hindurch Kraft und Zuversicht gespendet. In den letzten Monaten waren wir uns so nahe wie noch nie, wenngleich der Anlass für diese Vertrautheit kein wünschenswerter war. Wir verbrachten Tag und Nacht gemeinsam, Seite an Seite, denn wir wussten nicht wie lange dies noch so andauern würde. Er wollte unbedingt das Meer noch einmal sehen, sprach in der vergangenen Zeit von nichts anderem mehr. Und genau dort lernten wir uns auch kennen, vor zwanzig Jahren. Es war ein verregneter Sommertag im Juli, aber dennoch lockte es uns beide zum Strand. Etwa um dem Rauschen des Meeres zu folgen, den nassen Sand unter den Füßen zu spüren oder sich einfach von einer frischen Meeresbrise berauschen zu lassen? Gewiss zählten diese Dinge dazu, jedoch verband uns mehr mit diesem Ort, als wir uns zum ersten Mal in die Augen sahen. Als ich zum ersten Mal in seine stechend blauen Augen sah. Sofort war es um mich geschehen und wir fühlten uns magisch zueinander hingezogen. Bereits vier Monate nach dieser schicksalhaften Begegnung standen wir vor dem Traualtar, um uns ein Versprechen für die Ewigkeit zu geben. Gewiss ist es die Ewigkeit, die mir Hoffnung gibt, an die ich mich jetzt klammere. Jetzt, da er fort ist und ich nicht weiß, wann ich ihn wieder sehen werde, wann er wieder durch mein langes Haar streicht und mich wärmend in seinen starken Armen hält. Er ist der Mann meines Lebens, das war er schon immer, wenngleich sich unsere Wege vor einigen Tagen in völlig verschiedene Richtungen bewegt haben. Ich würde nicht sagen, dass ich mich einsam fühle oder verlassen, denn mit jedem Windhauch fühle ich mich ihm näher, glaube fast seine Anwesenheit zu spüren. Ich glaube nicht, dass er hier ist. Im Gegenteil. Ich weiß es. Ich weiß, dass er mir nicht von der Seite weicht. Niemals. Das hat er noch nie getan. Und auch ich bin ihm noch nie von der Seite gewichen. Erst recht nicht in der letzten Zeit. Mir war bewusst, dass er mich braucht, allerdings habe ich ihn noch vielmehr gebraucht. Er musste nur meine Hand halten und schon hatte ich keine Angst mehr. Ich habe mich immer gefragt, wie er das gemacht hatte, wie es ihm jedes Mal aufs neue gelang mich zu beruhigen und dieses unerträgliche Gefühl zu vertreiben. Wahrlich, diesen jemand hat die Welt für mich nur einmal bereitgehalten.

 

Um so trauriger macht es mich, dass ich dieses Gefühl der Sicherheit nie wieder empfinden kann und nichts außer meiner Erinnerung übrig bleibt.
Ich atme noch einmal tief ein, drehe vorsichtig den goldenen Deckel ab, trete näher an den Rand des Felsens und verstreue seine Asche über dem Ozean. Davon, dass dies auch sein letzter Wille gewesen war, bin ich fest überzeugt. Hier, wo wir uns einst kennen lernten und so sehr, wie er das Meer geliebt hat, es aber vor seinem Tod nicht mehr sehen konnte. Er starb stattdessen im kahlen und sterilen Krankenhaus. Aber er war nicht alleine und das gibt mir Kraft. Ich war nicht nur bei ihm seit er die Diagnose „Krebs“ erhalten hatte, sondern auch als seine Seele seinen Körper verließ. Wieder spüre ich einen wärmenden Windhauch in meinem Nacken. „Ich liebe dich“, hauche ich und beschließe hinunter zum Strand zu gehen, dorthin, wo wir uns zum ersten Mal sahen.
Der Sand unter meinen Füßen fühlt sich noch genauso wie vor zwanzig Jahren an und auch das Rauschen des Meeres ist gleichgeblieben. Nur eines hat sich verändert. Er ist nicht mehr da. Und dennoch fühle ich mich ihm so Nahe, wie nie zuvor.
Plötzlich stoße ich auf eine weiße Herzmuschel. Genau so eine hatte er mir nach unserem ersten Treffen geschenkt. Vorsichtig hebe ich sie auf und halte sie wärmend in meinen Händen, als ob es seine Hand sei. Ich weiß, dass er hier ist und dass er immer da sein wird. Dann kremple ich meine Jeanshose nach oben und gehe zum Meer, bis die ersten Wellen meine Füße erreichen. Das Wasser ist angenehm warm, genau wie vor zwanzig Jahren. Ich gehe noch weiter ins Meer hinein und wie aus dem Nichts entdecke ich eine durchsichtige Glasflasche und erkenne ein zusammengerolltes Papier in ihr. Was hat dies zu bedeuten? Mir laufen die Tränen über die Wangen. Ist dies etwa eine letzte Botschaft von ihm, die mir Kraft spenden soll? Meine rechte Hand greift nach der Flasche und während ich sie in meinen Händen halte umgibt mich ein Gefühl der Liebe, ein Gefühl geliebt zu werden. Genau dieses Gefühl empfand ich auch immer bei seiner Anwesenheit. Er war mein Fels in der Brandung. Zunächst überlege ich, ob ich die Flasche öffnen soll, doch dann siegt meine Neugierde und ich lasse mich auf dem Sandstrand nieder. Vorsichtig drehe ich den Stopfen ab, ziehe das Papier heraus und falte es langsam aus. Meine Hände zittern und mein Herz pocht immer schneller. So schnell hatte es seit unserer ersten Begegnung nicht mehr gepocht. Dann atme ich noch einmal tief ein und bin schließlich bereit für die Botschaft, die sich auf dem Papier befindet. Ob sie wohl von ihm ist...





Flasche der Sehnsucht (Teil 2)
Von: Beate Vogel

Mit Herzblut schreib in roter Tinte ich
an mein allerliebstes Glück,
könnt ich halten es gefühlt geborgen,
gäb’ niemals weg auch nur ein Stück.
Das zweite ICH hatt’ ich gefunden,
in dir, könnt ich es dir nur sagen,
doch der Himmel trennt mich nun von dir,
du musst die traurige Last alleine tragen.

Doch halte fest, was uns verband,
auch wenn die Ewigkeit uns trennt.
Ich schicke den Windhauch der durch die Blätter rauscht,
mein Atem liebkost dann deine Wangen.
Ein Sonnenstrahl durchbricht die Wolken,
durch ihn blick ich hinab zu dir
und wärm damit deine Haut von mir.
Ein Regentropfen der vom blauen Himmel fällt,
ist meine Träne, die unsere Liebe hält.
Die Tautropfen auf dem Rosenbusch vor unserem Haus,
glitzern wie Perlen,
wieso musst trennen ich mich von dir,
warum so elend sterben!

Du sollst des Nachts zum Sternenhimmel blicken,
der hellste Stern wird dir ein Zeichen schicken.
Halt dein Leben fest im Griff, betrunken von guten Taten,
ich leb’ im Herzen dein, bleib tapfer kann ich dir nur raten.

Vielleicht kann ich zurück zu dir,
als Vogel oder anderes Getier,
warum denn nicht als neuer Mensch dir neue Liebe geben
und dich dann halten alle Zeit, die uns neu schenkt das Leben.


© Tamara Vogel (Teil 1) &
© Beate Vogel (Teil 2)
54316 Pluwig
tamara_vogel92@yahoo.de



treib gut

Die Angabe, sich im Wasser zu befinden, ist freilich sehr ungenau. Allerdings trifft in meinem, in unserem Fall kaum mehr und kaum weniger zu. Ich ergänze, dass ich mich in einer
unverschlossenen Flasche aufhalte, nein, enthalte und wir, meine Flasche und ich, lange schon in der Monotonie dahinschaukeln. Zudem schwäche ich nun mein eben noch gebrauchtes befinden ab und sage besser, dass wir, meine Flasche und ich, im Wasser treiben. Das war`s. Zeitliche Angaben sind genauso unwichtig geworden wie eine Differenzierung des Begriffs „Wasser“. Ist Wasser nicht Wasser sowie All All? In genau gleicher Weise interessiert mich auch keine sonstige Konkretisierung unseres Enthaltungsortes. Ach ja, ich bin nicht nur Geist, wie nun vielleicht vermutet werden könnte, sondern auch Körper, sagen wir leibhaftige Post, die nicht ankommen will, weil sie nicht daran glaubt, anzukommen, ja sogar im Hinblick auf das Ankommen überhaupt keine Vorstellungen, sondern nur Ahnungen in vagen Konturen mit auf den Weg bekommen hat. Schon da, in dieser immer ungefähren Vergangenheit, hat alle Ungenauigkeit angefangen. Mein Geist, in einen Körper gepackt, schien nur die Notwendigkeit des bloßen Daseins auszuüben. Diese aber beharrlich, selbst, eher gerade in meiner Flasche.

Meine Flasche ist nicht größer oder zauberhafter als die, die man aus Märchen kennt. Und ich bin auch kein Gespenst, dessen Zuhause eine Flasche ist. Selbst meinem märchenhaftesten Ich traue ich nicht zu, sich zu einer Größe aufschwingen zu können, die in der Lage wäre, das Wirkliche in /> Furcht zu versetzen. Wenn wir mal von den Fragen absehen wollen, wie ich winzig geworden, in eine Flasche und sodann auf das Meer geraten bin, die ich ohnehin nicht beantworten kann, dann sind wir, meine Flasche und ich, ein gewöhnliches Paar wie ihr Hörenden und ich, der euch erzählt. Da ist kein Zauber im Spiel. Ich breite noch nicht einmal ein Spiel aus. Dazu ist es in meiner Flasche auch zu eng. Wir befinden uns in keinem Märchen. Meine Flasche und ich lassen befinden. Sein. Treiben auf dem Meer.

Meine Flasche mag ein Bild der Freiheit hervorrufen. Die da, dort am Ufer, wollen der Langeweile ihres Bodens entgehen. Und trotzdem meine Flasche und ich so klein sind, und trotzdem die übermächtigen Bewegungen uns zwingen, zitternd aus dem Blickfeld zu hüpfen, glitzert die zu ertrinken anmutende Glasfläche um mich herum stärker als die Wasseroberfläche und rückt uns, mehr noch, zerrt uns ins Blickfeld zurück. Aus der Zeit, als ich noch auf der anderen Seite war, ist mir dies noch in Erinnerung. Ein Seelenfünklein. „Seht doch nur!“, ruft einer der am Ufer Stehenden, zeigt mit dem Finger in unsere Richtung und meint es doch nicht. Das, genau das, weiß ich jetzt, hinter Glas. Und sowohl die Gier als auch die Augen der am Ufer Stehenden folgen seiner Aufforderung und seinem Finger. Dringen ein. In ein Zeit vertreibendes Spiel. In Treibendes, das nicht spielt, nur nicht ankommen will. Glotzen. Während Füße am Ufer entlang gehen. Macht. Los. Enthalten.

An sich habe ich nichts zu erzählen. Wir erleben ja nichts. Nicht einmal der Weg, auf dem wir uns befinden, aufhalten, nein, enthalten, nein, nein, hier gibt es kein Wort. Zumindest zwischen meiner Flasche und mir gibt es keinen Weg. Und der gemeinsame Weg, über dessen Beginn und Ende genauso wenig bekannt ist wie über Dazwischen und Darauf, stört uns. Das ist keine Existenz. Da ist keine Existenz. Wir finden nicht. Wir halten nicht. Wo ein Weg ist, ist kein Enthaltungsort. Also nochmals, wir enthalten uns, aber nicht auf einem Weg. Da mein Körper sich selbst nicht leugnen kann, wechselt er, der Not unterworfen, vom Stehen ins Liegen ins Sitzen ins Stehen auf Glasinnenseiten. Diese in keine sonstige Regeln geworfene Daseinstätigkeiten sind seine nennenswertesten Bewegungen. Mit ihm kann man nicht weit kommen. Im Unterschied zu meinem Geist. Jener ist nicht anspruchslos. Er gibt ja nur zu verstehen, dass er nicht will. Er will aber doch. Ankommen. Und so kommt er ganz ohne Weg voran. Glotze. Und Glotze. Das Glotzen ist schon zuviel.

 

Mit jedem weiteren Eindringen werden die Räume größer und größer. Mit euch darüber reden kann ich nicht auch noch. Da verliere ich zu viel. An sich habe ich aber nichts zu verlieren.

Ich kann auch nicht mehr still sein. Wie meine Flasche, die allerdings im Gegensatz zu mir in ihrem Schweigen bemerkt wird. Hin und wieder. Von denen da, dort am Ufer. Von denen da, die frei sind, darin, mit der Freiheit zu spielen, außerhalb der Langeweile ihres Bodens. Deshalb rede ich jetzt zu euch. Vielleicht seid ihr nur ich. Das macht aber nichts. Fisch und Fleisch sind doch kaum noch auseinander zu halten, nur im gläsernen Hohlraum, nah bei Weder und Noch, dicht vor meinen Augen, die trotz ihrer nicht beizukommenden Drängelei in jeden Vordergrund wenig mit der Sache zu tun haben. In einem Traum waren wir, meine Flasche und ich, in einem Netz gefangen, zusammen mit strampelnden Fischen. Ich freute mich, da ich doch endlich ankommen würde. Schon ließen wir das Wasser unter uns, waren unseren Grund los, und meine Freude wurde so groß, dass ich genauso wie die Fische strampelte. Ja, ich setzte meinen Körper ein, gab ihm so viel Macht, wie ich nur geben konnte. Und mein Körper nahm auf, nicht etwa zaghaft, nein, er saugte vielmehr am lang erwarteten Labsal, als wäre er ein steinharter, trockener Schwamm, der endlich Wasser erhält. Meine Flasche zeigte dafür kein Verständnis, was mir unbegreiflich war. Wie konnte sie nur so grundlos stur sein?

„Was hast du nur?“, fragte ich.
„Ich habe Nichts und werde auch Nichts haben.“, antwortete sie.
Welche Traurigkeit über den Verlust eines unaufhörlich schwankenden Grundes?
„Wir werden einen neuen Grund finden, einen Besseren.“
Ich täuschte mich. An Deck eines Schiffes, oben, wurden wir, meine Flasche und ich - konnte
mich noch gar nicht umsehen -, blitzschnell gepackt und zurück ins Wasser geschleudert. Einer der da, dort oben, ließ kurz nach seinem Wurf eine rätselhafte Bemerkung fallen, die ich auf unserem Flug noch hörte:
„Welch ein Fang!“
Er schien sich zu freuen. Worüber nur?
Unten, auf dem Wasser, war das Schiff so klein und die da, dort oben, gaben sich nicht mehr zu
erkennen. Ich glotzte aus meinem Glas. Glotzte. Und Glotzte. Meine Flasche hatte ihren Grund
wieder. Ich einen weiteren los. Macht. Nichts. Kein einziger Fisch wurde zurückgeworfen. Nur
die Fische kamen an. Und nun sprachen die noch nicht angekommenen Fische, wie verkehrt die
Welt doch war. Die da, dort oben, werfen ihresgleichen auf das Wasser zurück und nehmen, was sich im Wasser befindet, ja sich befindet, darin, und schwimmt, zu sich hinauf. Sie befreien nicht die Flasche, sondern das Falsche. Und sie wissen es auch noch. So war das eben außerhalb der Langeweile eines Bodens. In diesem Moment wollte ich falsch sein. Hätte ich meine Flasche nicht, hätte ich mehr. Da ich aber wenig hatte, wollte ich wenigstens eine Wut haben. Sie würdemir aber nicht lange gehören. Die Flasche blieb. Das war`s.
Die Fische auf dem Schiffboden ziehen weiter und wir treiben. Gut.

Eines Tages empfinde ich kein Schaukeln mehr. Wir müssen unseren Grund los sein. Wie kann
das von mir einst Erhoffte und Geträumte unbemerkt eintreten? Ich nehme meinen reduzierten Körper zu Hilfe, Handflächen wischen mir die Augen aus, denen nicht zu trauen ist. Kein Wasser ringsum. Aber auch keine Fische. Sie sind sicherlich alle längst auf Schiffen. Angekommen. Glotze. Und sehe nichts. Blind war ich doch schon einmal. Glotze. Und sehe. Wir müssen da sein. Meine Flasche liegt friedlich neben mir. Wir, meine Flasche und ich, treiben erneut, nun im Sand, der uns - die Flasche wie mich - endgültig ins Ungefähre verschlingt. Wir müssen da sein. Und wenn mein Körper zu Lebzeiten, auch in diesen letzten Zeilen, kaum, nicht wirklich, zur Geltung kam, so ist er es, der gefunden wird - bei einer Flasche, im Sand. Doch sicher ist nichts und niemand. Nur rieselnde Unklarheit.

 


© Frank Tichy
Stuttgart
frank.tichy@web.de

 

Flaschenpost im Meer
im Innern ein Brief von ihm
ein Liebesbeweis


© Imke Wendler
37199 Wulften
imke_wendler@liverpoolfc.net



WASSERFLASCHE

Ich lehne am Geländer gegenüber vom „Schiefen Haus“ in Ulm, schaue auf das Haus, schaue
in die Straßen und schaue in die Blau. Ich warte, wie so häufig in meinem Leben. Auf das Leben
selbst vielleicht, dass es vorbeiziehe und sich betrachten ließe, möglicherweise genau hier
an der Blau. Der laue Wind der herbstlichen Abendbrise streift vorbei, und so tut es das Leben.

Da unten am Grund der Blau liegt sie, die Wasserflasche, die vermutlich eigentlich gar keine
ist, aber jetzt völlig gefüllt mit Wasser und schwer gesunken auf den Grund dieses flachen
Flüsschens. Ein Fixpunkt für mich, der immer wieder meinen Blick anzieht und einfängt, ein
Ruhepol in der Bewegung aus vorbeischlendernden Passanten, vorbeiflatternden Spatzen und
vorbeiströmendem Blauwasser.

Da unten liegt sie. Das Wasser fließt über sie hinweg, und es kümmert sie nicht. Unbeweglich
ruht sie am Grund der Blau, nackt und entblößt meinen Blicken preisgegeben -schon lange
vermutlich haben sich ihre Etiketten gelöst, die einmal verraten wollten, was sich einst in ihr
befunden hat. Meine Blicke forschen, und es berührt sie nicht.

Ein Schraubverschluss ist es nicht. Kronverschluss oder Korken? So ganz genau kann ich es
nicht erkennen, das Wasser spiegelt und verzerrt. Verfärbt. Wenn ich seine grünliche Färbung
berücksichtige, ist die Flasche wohl weitgehend farblos. Gibt es farblose Bierflaschen? Was
sonst -Saft vielleicht? Falsche Form … und sowieso einerlei. Jetzt ist es eindeutig eine Wasserflasche.

Auch wenn sie jetzt unbeweglich scheint, kein Stück verrückt ist in der Zeit, die ich sie beobachtet
habe … sie war nicht immer dort. Es muss eine Zeit gegeben haben, zu der an dieser
Stelle der Blau keine Flasche lag.

Wie ist sie wohl dorthin gekommen? Welche Verkettung von Ereignissen mag dazu geführt
haben, dass genau jetzt und exakt hier eine Flasche liegt und sich ungerührt, sich in keiner
Weise rührend, meinen neugierigen Blicken hingibt?

Wurde sie genau hier in die Blau geworfen, möglicherweise von dem Platz, an dem ich jetzt
stehe, um sich an Ort und Stelle mit Wasser zu füllen und zu sinken? Oder hatte sie bereits eine
weite und erfahrungsreiche Reise hinter sich gebracht, um ermüdet und ermattet irgendwo
zur vorläufig letzten Ruhe zu kommen?

Parallelwelten entstehen in meiner Fantasie, alle einzig und allein dafür geschaffen, diese Flasche
an diesen Ort zu transportieren und meiner Betrachtung preiszugeben, auf dass meine
Fantasie Parallelwelten erschaffe, die …

Da ist die Welt, in der die kleine Tochter den Vater ablenkt, damit der noch kleinere Sohn
neugierig inspizieren kann, was der Vater wohl so offensichtlich genüsslich aus dieser Flasche
getrunken haben mochte, bevor er sie, fast entleert, neben dem Rucksack auf der Holzbrücke abgestellt hat. Große Mädchenaugen bannen des Vaters Aufmerksamkeit, während der Sohn
ungeschickt die Flasche anhebt, ansetzt, und einen Schluck daraus probiert. Ein heftiger Hustenreiz
schüttelt den kleinen Jungenkörper, die Flasche poltert zu Boden und rollt unter dem
Brückengeländer hindurch in die Blau, während der Vater zu seinem Sohn eilt und sich hastig
überlegt, welchem Gefühl er jetzt nachgeben soll, der Sorge oder dem Ärger. Unterdessen
nimmt die Flasche in der Blau Fahrt auf und nähert sich, Hals nach oben, Boden nach unten,
wie es sich gehört, der Stelle, an der sie sinken und auf mich warten wird.

Da ist die Welt, in der ein verliebtes Pärchen unter einem fahlen und doch so romantischen
Vollmond auf einer Bank neben der Blau sitzt. Innig kuschelnd reichen sie sich die Flasche, er
ihr und sie wieder ihm, um gemeinsam die leicht klebrige Süße zu genießen, und auch um
sich über die dezent alkoholische Schärfe ein wenig Mut aufeinander anzueignen. Schließlich
erfolgreich sinken sie sich noch tiefer in die Arme und die Augen, und ihre Lippen finden sich
für ihren ersten Kuss. Unbemerkt rollt die geleerte Flasche den leicht grasigen Hang hinter der
Bank hinunter und taucht in die Blau, reckt ihren Hals ein letztes Mal in Richtung auf das
Paar, sagt in der Flaschensprache leise „Servus“, ehe sie sich melancholisch kreiselnd ihrer
eigenen Einsamkeit bewusst wird und sich -so ganz und gar menschlich -volllaufen lässt
und sinkt.

Da ist die Welt, in der eine müde und genervte Kellnerin, der Feierabend schon lange überfällig,
noch ermahnt wird, die Kästen mit den geleerten Flaschen zum Lieferwagen zu tragen.
Ungeduldig schnappt sie sich drei davon auf einmal, in vollem Bewusstsein, dass dies viel zu
unhandlich für sie ist. Torkelnd überquert sie sie Straße, nähert sich dem Fahrzeug, übersieht
dabei den Radfahrer, der unvorsichtig schnelle Radfahrer übersieht beinahe sie und streift im
Ausweichen ihre Last. Die Kellnerin stürzt und die Flaschenkisten krachen zu Boden. Etliche
Flaschen zerspringen. Eine stößt sich mit ihrem stabilen Boden auf einer anderen ab und
springt ein wenig weiter, rollt noch ein kleines Stückchen und erreicht so den steinernen Rand
der nahen Blau. Einen Moment steht es auf der Kippe … dann wird sie von einer Böe gepackt,
ein wenig gedreht, bis sie mit ihrem schweren Bodenende über der Kante hängt, sich
neigt, die ersten seichten Wellen lecken an ihr, dann rutscht sie ins Wasser. Endlich frei!
Doch hat sie nicht mit der Blau gerechnet. Heimtückisch lässt diese Tropfen für Tropfen
durch den Flaschenhals rinnen, und ehe es sich die Flasche versieht, ist sie Gefangene des
Wassers, das sie in die Freiheit hätte tragen sollen.

Da ist die Welt, in der zwei Betrunkene in Streit darüber geraten, ob das „Schiefe Haus“ nun
wirklich so schief sei, oder ob nicht der Alkoholpegel das Seinige zur Schieflage des Hauses
beitrüge. Keines der gelallten Argumente überzeugt den jeweils anderen, und so ist für beide
naheliegend, dass mangelnde sachliche Stringenz durch Lautstärke wettzumachen ist. Mangelnde
Lautstärke durch zunehmende Gestik. Irgendwann kommen sich die Gesten gegenseitig
ins Gehege, und einer fühlt sich möglicherweise nicht ganz zu Unrecht geschubst. Die Flasche
in seiner Hand vollführt einen erstaunlich exakten Viertelkreis, ehe sie auf der Schädelhaut
seines Kontrahenten eine Platzwunde hinterlässt, aus der ausführenden Hand geprellt
wird und in parabolischer Vollendung ihrer Bahn in die Blau taucht.

Da ist die Welt, in der ein einsames Mädchen seine traurigen Gedanken auf möglichst altem,
brüchigem und vergilbtem Papier niederschreibt, welches sie rollt und in eine Flasche steckt,
diese verkorkt und, in Ermangelung eines weiten und gefährlichen Meeres, den tosenden Fluten
der Blau übergibt. Kreiselnd verfängt sich die Flasche ein paar Male in den Uferpflanzen, ehe sie, immer wieder aufs Neue mit einem langen Stecken befreit, den Blicken des traurigen
Mädchens entschwindet. Ein paar Blauwindungen weiter fischt ein anderes Mädchen die Flasche
aus dem Wasser, belustigt sich über den Inhalt der nicht für sie bestimmten Flaschenpost
und wirft alles, Papier, Korken und Flasche, achtlos und getrennt wieder in die Blau. Das Papier
verklumpt an Ort und Stelle und sinkt, die Flasche kommt vor dem „Schiefen Haus“ zur
Ruhe. Der leichte Korken schwimmt und schwimmt und erreicht ferne Gestade.

Da ist die Welt, in der zwei übermütige Jungs einfach nur Spaß haben, ihre Flaschen immer
wieder mit dem Wasser der Blau füllen und sich damit gegenseitig bespritzen, bis sie völlig
durchnässt und erschöpft sind, ihren Flaschen noch einen Tritt zum Abschied geben, das Platschen
der Flaschen ins Wasser beobachten, ihre Fahrräder besteigen und damit nach Hause
radeln. Die Flaschen klirren noch einige Male aneinander, finden keine Freude daran und sinken
an unterschiedlichen Stellen.

Mein entrückter Blick fokussiert sich wieder. Sie alle, diese Welten, haben das ihrige beigetragen,
dass sie jetzt genau hier ist.

Ich lehne am Geländer, betrachte das „Schiefe Haus“ und das Vorbeiziehen von Passanten,
Spatzen, Leben und Blau. An ihrem Grund liegt die Wasserflasche und ruht, geheimnisvoll,
unbeeindruckt und unbeweglich.


© Dr. Karsten Beuchert
80686 München
kgb65@gmx.de





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005 • "Puddle of mud" © Frank Schloffer


Ohne Titel

Tor und Platz sind leer. Dem Regen,
dem dicken, kommt dies sehr entgegen:
er stürmt zu Boden, kickt mit Lehm,
trippelt übers ganze Feld,
hoch springt er und köpft. Ein Tropf ist sein Held.

Auch freuen sich des Rasens Narben,
nicht unter Stollen mehr zu darben.
Stattdess mit ihm den Reigen tanzen
dünkt ihnen als das beste Leben.
Kein Wunder, dass die Gräser eben

sich erheben, fröhlich nicken,
denn kein Schuh wird sie hier knicken.
Der Ball betört das Kap der Hoffnung.
Schwarz, Rot, Gold in weiter Ferne
mögen grüne Gräser gerne.

Aufgehört hat es zu regnen,
Tropfen hängen an den Toren,
rutschen an den Stielen abwärts,
sammeln sich in breiten Pfützen.
Himmel spiegelt sich darin.


© Othmar Mahlmeister
o55.mahlmeister@arcor



DIE PFÜTZE

Pfütze,
schmutzig –
ich heiße so, so seh ich aus,
Pfütze ich,
schon jetzt unscheinbar, flach und ohne Tiefe,
trüber Spiegel auf der bloßen Erde,
die saugt und saugt an mir –
doch nehm ich in mir auf,
was um mich herum geschieht,
sich über mir bewegt,
spiegelt sich in mir
für Augenblicke Bild auf Bild:
sogar den Himmel nehm ich auf solang es währt,
mein Pfützendasein,
solange noch ein Tropfen in mir ist,
der in die Luft verdampfen wird
und rasch
bin ich vergessen.


©Theo Schmich
45133 Essen
theo.schmich@gmx.de




 

Der Platz liegt verwaist
nur zwei Tore noch übrig
aus besserer Zeit


© Imke Wendler
37199 Wulften
imke_wendler@liverpoolfc.net





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006 • "Heaven's gate" © Frank Schloffer



Der Strand!

Ich laufe
am Strand
entlang.

Der Sand
knirscht
zwischen meinen Zehen.

Der Wind
zerzaust
mein Haar.

Die Wellen
schlagen
an den Strand.

Ich schaue
in die Wolken
und ich fühle
mich allein.

Doch ich bin es nicht.

 

Du bist
in meinem Herzen.

Du bist
ganz nah bei mir,
obwohl du
so weit weg bist.

Wenn ich schlafe
bist du
in meinen Träumen.

Wenn ich wache,
sehe ich
dein Bild vor mir.

Wenn ich träume,
höre ich
deine Stimme
ganz leise flüstern
ich liebe dich.

 


© Christina Stöger
pinkyfisch
Augsburg
eMail pinkyfisch-2009@gmx.de


Treibt es mich beim Segeln
weit hinaus aufs Meer,
sind Wasser nur und Himmel noch zu sehen
- Doch eins ist gewiss:
Hinter dem Horizont sind der nächste Hafen
und die ganze bunte Welt des Lebens.

Fliege ich beim Sterben
weit hinaus ins Licht,
wird für mich der Horizont entschwinden
- dann weiß ich eins gewiss:
Die bunte Welt des Lebens ist vergangen
und ich treibe in endloser Weite


© Irmgard Anderfuhr
anderfuhr@web.de



Graue Vorzeiten

Es war einmal vor langen Jahrhunderten, in grauen Vorzeiten, die aber nicht grau, sondern grün waren. Grün die Wiesen, Wälder, Sümpfe und der Dschungel. Wo heute Städte und Menschen sind, da gab es damals Tiere. Auch solche, die es heute nicht mehr gibt.

Mitten unter ihnen Puff, ein Zauberdrachen und sein Freund, ein kleines, weißes Einhorn. Puff hatte einen farbig schillernden Schwanz, der mit stufenförmigen Zacken besetzt war. Aus seinem Rachen konnte er Feuer speien, je nach Lust und Laune in einer anderen Farbe. Er war ungeschickt und trampelig, doch das machte er durch seine Zauberkünste wieder wett. Wenn er etwas zertreten hatte, wedelte er mit seiner Schwanzspitze einmal darüber, und es war wieder heil. Mehr zaubern konnte er nicht. Es reichte auch. Das kleine, weiße Einhorn war nur so groß wie eine von Puffs Vorderpfoten. Es konnte sich nach Herzenslust an seinen schuppigen Beinen kratzen, und dabei verfingen sich seine Stirnlocken oft in den Schuppen. Dann schimpfte es, weil der Drache so ungepflegt war. Aber sonst waren beide unzertrennlich. Sie rollten und tollten, das Einhorn galoppierte den Rücken des Drachen rauf und runter, und gab es mal einen Kampf mit einem Saurier, setzte sich das Einhorn auf den Kopf des Drachen und senkte die Stirn zum Angriff. Der Feueratem, das bohrende Horn und der Stufenschwanz schlugen alle in die Flucht.

So hatten sie nie um ihr Leben zu fürchten. Es gab für sie unzählige Bäume und fettes Gras zum Fressen und einen weißen Badestrand zum Spielen. Nie gab es etwas Wichtigeres als alle ihre Spiele: die Balanceakte des Einhorns auf der Spitze des Stufenschwanzes, das Bäumeausreissen, Anbohren und Verkohlen und das Muschelaufpiecken mit dem gezwirbelten Horn.

 

 

Eines Tages kam ein großer Regen. Die Wolken hingen bleischwer und grau am Himmel. Ohne Unterlass rauschte der Regen. Es war Noah, der wusste, dass dies eine Sintflut werden würde und der alle Tiere auf seiner großen Arche retten wollte. Zwei bei zwei führte er die Tiere auf sein Boot. Er vergaß keines: die Elefanten, die Krokodile, die Vögel, die Schlangen, die Löwen und Tiger gingen über den Bootssteg, der von ihren Schritten widerhallte. Bis in den nahe gelegenen Wald drang ihr Brüllen, Schnattern und Dröhnen.

Das Einhorn hob seinen Kopf, das heißt, es bohrte ihn aus einem Baum heraus und lauschte. Auch Puff, der emsig den Baum ankohlte, hörte auf, Feuer zu speien. Sie galoppierten auf die Waldschneise und sahen dort die Arche. Der Himmel war bleigrau, und um die Hufe des Einhorns bildeten sich kleine Seen. Es scharrte unschlüssig im Matsch, stupste den Drachen an, und dann stoben beide in den Wald zurück. Noahs beschwörendes Rufen hallte hinter ihnen her.

"Herbei ihr Tiere groß und klein! Steigt alle in die Arche ein!" Er war ein pflichtbewusster Mensch, und so drängte er den Drachen, obwohl er Angst hatte, dessen Feueratem könnte die Arche verbrennen und das kleine Einhorn könnte Löcher bohren. Doch die beiden meinten, es gäbe noch so viel zu tun. Der zuletzt angebohrte Baum stand erst halbverkohlt in seiner vorsintflutlichen Umgebung. Mit Horn und Feueratem führten sie ihr zerstörerisches Werk fort. Noahs Rufen war hier, im tiefen Wald, nicht mehr zu verstehen. Puff peitschte das Wasser um sich herum auf, dass es nur so sprühte. Sie suhlten und sie rollten sich, die nassen Zweige schlugen ihnen um die Ohren.

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© Eva Tanner
13595 Berlin
merlinsacrow@t-online.de


Delphinpaar

Die unsterbliche Seele
So weit wie der Horizont.
Ein edelmütiges Geschöpf -
Botschafter der Liebe -
Aus Dank für die Erfüllung
Von Neptun als Sternbild
Am Himmel platziert,
Mit funkelnder Schönheit
Die Nacht erhellt.
Ein Delphinpaar steigt wie
Beflügelt aus dem Ozean empor,
Springt freudvoll über die
Höchsten Wellen, schwimmt
Seite an Seite
Himmelan.
Grüßt Neptun von mir.


© Susanne Ulrike Maria Albrecht
66482 Zweibrücken
engel0311@gmx.de



Wie Onkel Bahadur das Meer lieben lernt
Eine satirisch wiedergegebene Beobachtung am Golf v. Bengalen/Indien

So unendlich groß das Meer, soviel Wasser, und die Wellen! Staunend steht Onkel Bahadur am Strand von Puri, umgeben von seiner Familie, einer großen Familie, Männer, Frauen und sogar einige Kinder. Er ist angelangt am Ziel seines Wunsches, vor sich das heilige Meer. Und als sei das noch nicht genug, kommt noch die Heiligkeit des Sonnenunterganges dazu, begleitet von den dumpfen Tönen der Muschelhörner, die anbetend am Strand geblasen werden, nach Westen über den Ozean in das Goldrot der untergehenden Sonne und alle fühlen sich sehr bewegt und großartig. Morgen, ja morgen würden sie sogar ins Wasser steigen und sich von den Fluten reinigen lassen. Gehüllt in erhabene Gefühle streben sie zurück ins Hotel.

Gewiß, das Meer zu betreten, war bei aller seiner Heiligkeit gefährlich, vor den Strömungen hier hatte man sie gewarnt, und schwimmen kann keiner von ihnen. Das ist auch nicht nötig. Eifrig laufen ältere, barfüßige Männer mit hohen Zipfelmützen am Strand umher. Weiße Buchstaben auf den Mützen verkünden „Life Guard“. Sie gebärden sich sehr wichtig, tragen Seile und aufgeblasene Autoreifen mit sich, große Reifen, die Gefährlichkeit des Wassers zu unterstreichen. So bedrohlich sind also die Fluten, in die sich Onkel Bahadur mit seiner Familie begeben will.

Er schart sie alle um sich und ermahnt sie. Ein ehrwürdiger Schauer der Heiligkeit und Angst angesichts des fremden Elements hält sie allesamt gepackt. Nicht nur drei, nein gleich vier „Lebensbewacher“ engagiert er, die sich sehr beherrschend gebärden. Wer hier fremd ist, weiß nicht, dass keiner dieser „Life Guards“ schwimmen kann, eine weithin unbekannte Kunst. Autorität ist wichtiger.

Auf Onkel Bahadurs Kommando ziehen alle die Schuhe aus, die Männer auch die Hemden oder Kaftane, behalten die Dhotis aber an, die Frauen legen ihre Schals auf den Sand, ziehen die Hosen hoch oder schürzten die Saris, dann fassen sie sich kichernd an den Händen und gehen stelzbeinig und quiekend bis ins knöcheltiefe Wasser, dann bis zu den Waden. Eine noch nie gemachte, völlig neue Erfahrung! Die „Lebensbeschützer“ schreien ihre Befehle, nahe am Strand zu bleiben, laut über das Rauschen der Wellen. Eifrig springen sie umher, dass die Spitzen ihrer Zipfelmützen in die Luft stechen.

Schließlich beginnen die frechsten der jungen Männer, sich – und welche Verwegenheit! – sogar die jungen Frauen mit Wasser zu bespritzen. Kreischend tauchen einige von ihnen den halben Oberkörper in die Wellen, andere weichen nicht etwa schweigend, zurück. Welch mutige Tat, als einige der Männer bis zum Nabel eintauchend wenige Schritte vom Strand weg den Wellen entgegen, sich von der plantschenden, quiekenden Gruppe entfernen. Onkel Bahadur genießt es: er hat die Seinen hierher geführt, er ermöglicht ihnen den Genuß der Heiligkeit des Meeres, der Kühle des Wassers.

Eine Hand zum Festhalten um die eines Neffen geklammert, in der anderen fest das Seil haltend, das am aufgeblasenen Autoreifen hängt, steht Onkel Bahadur einigermaßen fest in den Wellen inmitten seiner Familie. Der Autoreifen hindert ihn daran, die Arme zu bewegen, sitzt er doch oberhalb seines Ehrfurcht gebietenden Bauches, der ein Tieferrutschen verhindert. Kleine Sprünge und Schritte zum Strand hin vermeiden, dass das Wasser etwa lebensgefährlich weit über den Reifen steigt. Diese Gefahr weiß er tunlichst zu vermeiden. Trotz der Warnschreie der „Life Guards“ wagen sich einige mutige Männer 5-8 Meter weiter hinaus als die Frauen, trauen sich schließlich, bis zu den Schultern einzutauchen, werden aber, noch während sie sich Beifall heischend nach den Frauen umschauen, von den heftig gestikulierenden und rufenden Lebensrettern zurück beordert. Derweil plantschen die Damen in ihre Saris und Saluwaahs gehüllt, mehr oder minder anmutig, mittlerweile auch fast bis zum Bauch im kühlen Naß. Oh, was würden sie zu Hause den Freundinnen, die noch nie am Meer gewesen waren, alles erzählen können! Ihr Mut und ihre Verwegenheit in den heiligen Fluten erprobt.

Die Begeisterung treibt sie, bei jeder kleinen Welle aufzujauchzen, während sich die leichten Stoffe naß und eng an ihre Haut schmiegen. Ebenso kleben die Blicke der Männer an ihren Körpern. Zwischen ihnen allen plantscht Onkel Bahadur ähnlich einem Walroß und genießt seine Rolle als Pascha, der dieses unvergleichliche Erlebnis der Familie geschenkt hat. Eintauchen - aber bloß nicht zu weit – in die heiligen Meereswellen. Oh, wie liebt er diese neue Erfahrung! Stolz leuchtet aus seinen Augen. Er hält den Fluten stand, angeleint an einen Beschützer. Das Abenteuer erreicht seinen Höhepunkt, als Onkel Bahadur seinen Bauchring abstreift und es wagt, sich in den Reifen, der jetzt auf dem Wasser liegt, zu setzen, wie in einen Stuhl, mit der Selbstverständlichkeit eines Lebemannes, während einer seiner Sklaven, ängstlich mit den Füßen im Wasser Halt suchend, das Seil hält, an dessen Ende der Onkel mit seinem dicken Po im Reifen sitzt und sein Bauch darüber quillt. Die Frauen bilden ehrerbietig fast einen Halbkreis um ihn und zollen ihm gebührend ihre Bewunderung. Einige klatschen ihm Beifall. Er wiegt sich sogar mit dem Reifen auf den ablaufenden Wellen, so begeistert ist er. Wie liebt er dieses alles: das heilige Meer an sich, die Wellen, die erfrischende Kühle, das Abenteuer, seine eigene Verwegenheit und nicht zuletzt diese Rolle, die ihm, dem Oberhaupt, die Bewunderung seiner Familie eingebracht hat. Sein Wunsch ist es gewesen, ans Meer zu reisen.

Immer würde Onkel Bahadur das Meer lieben.



© Renate Weidauer
82178  Puchheim
r-r.weidauer@freenet.de



…Wellen peitschen ans Land…
ich atme die kühle, frische Seeluft ein –
meine Lippen schmecken nach Salz….

…ein Windstoß zerrt fast zärtlich an meinen Haaren –
er spritzt Gischt in mein Gesicht…

…ich spüre den feinen, warmen Sand unter mir –
er umgibt mich mit wohliger Wärme…

…meine Augen schweifen aufs Meer hinaus –
es ist eine so unendliche Weite,
eine so unendliche Tiefe,
ein so gut gehütetes Geheimnis…

…Ich höre das Rauschen der Wellen –
ist das ein Lied,
eine Geschichte
wie gern würde ich sie verstehen.



© Julia Wiedenmayer
jb.wiedenmayer@t-online.de



letzte Tränen

im Bermuda Dreieck liegt die Garderobe
abgewrackt jeder Blick mit den Jahren
sind all die Tränen erwachsen geworden
die Augen im Wellengang in der Brandung
schmeckt es von den Wangen dem Ende zu
salzig auf den Lippen wie gesunken
liegt ihm plötzlich Einiges vor
die schwimmenden alten Bilder
unwiederbringlich schwarz-weiß
still im Zwielicht

 

© Ulf Großmann
01259 Dresden
goldhase@t-online.de



Wolken

Auch wenn der Himmel voll von Wolken
uns drohend seine Zeichen schickt.
Vertrau auf Gott, er wird Dir helfen,
dass dein Lebensweg dir glückt.
 
Besonders in den dunklen Zeiten
wird er dir Licht und Stärke sein.
Wenn selbst den Sperling er beschützt
lässt er dich niemals nie allein.


© Hermann Lahm



Der Himmel offen
die Sonne schaut zur Erde
Gott antwortet mir


© Imke Wendler
37199 Wulften
imke_wendler@liverpoolfc.net



sommernachts denken

hier findet s
ich das
gesicht gesucht
selbst im wackelnden
licht tepp ich halt und zeit
los dabei
sind diese zeit und unser
halt an
deutung dämonium
nicht eben
bild eben bild
zittern in zwischen
räume aufgebrochen kaum
quillt so fort der leim des seins
aus engen stirnen
falten nach langem
tag tra(e)um
end zeit
selbst halt los


© Frank Tichy
Stuttgart
www.franktichy.de



Schreibblockade am Meer

Die dem Meer geschuldete Weite des Himmels
verwies die unbedarfte Seele seines Betrachters
auf die Beschränktheit seiner Metaphern
für den gezeitenbedingten Rückzug des Wassers,
und den Gestalten am Ende des Watts.
Verlustig der schützenden Deiche,
im schlickigen Grund versinkend,
warteten sie auf den Seenotkreuzer,
der sie bald in Sicherheit brächte,
weil er sein  Blatt in den Müll warf,
um einen Notruf zu senden!


© Markus Schoppen
45133 Essen
markuschoppen@hotmail.com



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007 • "Wasserkunst" © Dieter Bergmann

 

Goldene Ströme
zwischen weiß sprudelnder Gischt
auch Wasser kann Kunst


© Imke Wendler
37199 Wulften
imke_wendler@liverpoolfc.net




Unbeschreiblich

Schwer zu beschreiben Dein Anblick
der mich in goldenen Maschen gefangen hält
und der Dunkelheit keine Chance gibt
sie zu durchbrechen
Wasserströme sorgen für Belebung
lassen aber der Einmaligkeit dieses
Augenblicks - der Gefangennahme
den Vortritt


© Hildegard Paulussen
53123 Bonn
h-paulussen@t-online.de




Wasserkunst

Regenbogenperlen
Karfunkelglimmern
Bernsteinschimmern
Muschelglanz
Wasserdiamanten
Tautropfengold
verflüchtigen sich im Wasserfall
dazu Silbersandmusik


© Christine Dorn
86637 Wertingen
ch.dorn@web.de




Gier- und Begierlichkeit

Ein starrer gieriger Blick
beängstigend und ins Leere verlaufend
wo bleibt sie
die Sinnlich- und Begierlichkeit
die wieder aufleben lässt
die Lebenslust
sich nicht auferlegen wollen und müssen
einen Hemmschuh des Verzichts

Jetzt dämonenhaft das Angesicht
beängstigend der Moment der Entbehrung
der Körperlichkeit
Geschmacksnerven wollen erleben
das Kühle – das Belebende
und doch so weitgerückt
das Objekt der Begierde

Gierig die Hände ausstreckend
doch ins Leere verlaufend
weit liegt „Sie“ vor dir
das Objekt der Begierde
und rückt immer näher
den glänzenden Augen
dem geöffneten Mund
um sich zu laben
an dem kristallklaren
und erfrischendem Etwas – der Flasche
„ mit dem so belebenden Wasser“


© Hildegard Paulussen
53123 Bonn
h-paulussen@t-online.de




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008 • "Starr und fließend" © Dieter Bergmann


Winterstarre

Noch plätschert der Bach.

Er windet sich, ergeben-trotzig,

reibt sich an ersten kleinen Schollen,

die Ihresgleichen suchen.

Sie bilden Inselchen aus Schnee und Eis.

Weiße Kristalle umschmeicheln erhabene Steine;

heften sich an müde und erschlaffte Gräser.

Licht spiegelt im Wasser.

Gefrorenes Licht wärmt meine Seele.

Sind das die Tage, die mein Herz so wunderbar berühren?


© Kurt Simmeth
88178 Heimenkirch
kurt.simmeth@gmx.net




Eisiger
Glitzerklang
schwebt
harfengleich
über
dunklem
Rauschen,
mein Herz
fröstelt.
Wie lange?


© Rosemarie Schuldes
64521 Groß-Gerau
rogathe@gmx.de


 

november laut

kalender könne man
meinen die stimme
ermüdet farblose
kälte keine
maiflammen schwatzten dies
mal noch schillernd blinzelnde
glut wie blut
vielfalt im aus
der asche folgend unter grauem
la(e)hmt die welt

seelen murmeln
ma(h)l geschrei von nebenan
nimm nur
nicht ein blatt vor
ausgedacht in jahres ringen
nicht ein blatt am
zähen alten
baum schwer
trockenheit
gleich zum kaffee
einsamkeit presst lippen aus
ein ander es mal
so sehen blühende tassen

hervor geholtes
denken sucht freiheit
riecht münder verweigern
müsse man kalender
kälte keine
blätter fallen auf
buchstaben zielt
last zieht
zungen auf papier
fetzen im ofen

 

© Frank Tichy
Stuttgart
frank.tichy@web.de

 


 

Tauwetter-Haiku

Die zarten Zweige,
bizarr gefangen im Eis.
Doch frei strömt der Bach.

 

© Ingrid Drewing
65183Wiesbaden
ingrid.drewing@gmx.net

 


 

Morgenlächeln

Heute Nacht hat mir der Frost
Ein Eistempelchen geschenkt
An Zweigen erstarrt
Rundum von Licht geflochten
Unter ihm tänzelt und gluckst
Wasser mit gierigen Zungen
Versucht daran zu lecken
Doch für Augenblicke ist es meines

 

© Alma Marie Schneider
91590 Bruckberg
emh_s@yahoo.de

 


 

Variationen 

Wasser - Thema mit Variationen,
die alle ihren Schöpfer loben.
Eis, Schnee, Nebel, Wasser, Dunst
perfekteste Verwandlungskunst.

 

© Hermann Lahm

 



Eiszapfen hängen
über dem rauschenden Bach
gleich und doch anders

 

© Imke Wendler
37199 Wulften
imke_wendler@liverpoolfc.net

 


 





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Das Organisationsteam des "Jahr des Wassers 2010 in Kaufbeuren"
wünscht Ihnen viel Freude und gutes Gelingen
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